Sicherheitspolitisches Seminar der Kreisgruppe Schweinfurt-Haßberge des VdRBw

19.10.2019, von Diethart Konrad, Augsfeld

Bild: Sicherheitspolitisches Seminar der Kreisgruppe Schweinfurt-Haßberge des VdRBw

Diethart Konrad

Das diesjährige sicherheitspolitische Seminar der Kreisgruppe der Reservisten der Deutschen Bundeswehr fand am Wochenende in Zusammenarbeit mit der Hanns Seidel Stiftung im Hotel Goger in Augsfeld statt. Eröffnet vom Seminarleiter und Kreisvorsitzenden des VdRBw, Klaus Finster, schilderte der Politologe und Historiker Dr. Martin Pabst in eindringlichen Bildern die Konfliktfelder im Nahen und Mittleren Osten, dramatisch aktuell durch die derzeitigen Ereignisse in Syrien ins Blickfeld gelenkt.

Vor seinen Ausführungen freuten sich die Seminarteilnehmer über die ermutigenden Grußworte der stellvertretenden Landrätin des Kreises Schweinfurt, Frau Christine Bender, die deshalb so positiv aufgenommen wurden, weil mittlerweile in weiten Kreisen der Bevölkerung Soldaten nicht nur mit „wohlwollendem Desinteresse“ ( Originalton Altbundespräsident Köhler ), sondern als Uniformträger per se mit „brauner Gesinnung“ verdächtig werden.
Der Vortrag von Dr. Pabst führte zurück zu den Ursachen des Arabischen Frühlings, begründet in den autoritären Regimen, der hoffnungslosen Situation, erzeugt durch den demographischen Druck einer ständig wachsenden Bevölkerung mit hochgebildeter Jugend, die sich in Arbeitswelt und Gesellschaft nicht wiederfinden und verwirklichen konnte. Verstärkt wurde dies durch die Nahrungsmittelkrise von 2008, wobei China auch Anteil hatte, das wegen seiner riesigen Devisenvorräte den Weltmarkt bei Getreide aufkaufte. Die Akteure des Arabischen Frühlings auf ziviler Seite aber auch die kontraproduktiv handelnden Klassen der bisherigen gesellschaftlichen Mächte führten, außer im Herzland des Aufstandes Tunesien, zur Niederschlagung und Scheitern der so hoffnungsvoll begonnenen Proteste und Bewegungen und Rückkehr der autoritären Strukturen. Der Nahe und Mittlere Osten ist wegen der geostrategischen Lage und den bedeutenden Energievorräten bedeutend für Europa, das selbst uneins nahezu keinen Einfluss auf diese Region und dieses Feld sichtbar anderen Akteuren überlassen hat. Die grausame Wirklichkeit, geschaffen vom IS, ist eine der unübersehbaren Fakten, die dadurch entstandenen neuen Allianzen der Saudis, des Iran, der Türkei und auch das Versagen der USA bergen in sich neue explosive Konfliktherde. Dr. Pabst beleuchtete speziell die Situation in Syrien mit wachsendem Einfluss Russlands, das zu allen Konfliktparteien, darunter auch Israel, beste Beziehungen auch wirtschaftlicher Art pflegt. Er stellte den Abzug der USA in Frage und beleuchtete die besondere Situation des kurdischen Bevölkerungsteils Syriens, der sich in der Bekämpfung des IS bleibende Verdienste erworben hat und sich nun verraten fühlt. Assad und die Russen würden dadurch erheblich gestärkt.
Ob die erfolgreichen Massendemonstrationen des Frühjahrs in Algerien und dem Sudan zu einem neuen Frühling im arabischen Raum führen, ist fraglich, da neue Koalitionen im Werden sind, Verfall der Staaten, Beispiel Jemen, und Wiedererstarken der Dschihadisten sind vorhersehbar.
Viele Fragen der Seminarteilnehmer wurden beantwortet, der Ausblick in die Zukunft der Region bleibt düster, die Uneinigkeit Europas ein Sorgenfaktor, was jeder Teilnehmer mit nachhause nehmen musste.